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Vielstimmig über Macht nachdenken

Sarah Stutte 01.10.2026

Gender symbol of a woman. Banner with woman symbol in hands on purple background with copy space. The concept of female discrimination, lesbian, leadership or domestic violence protest

Ein Buch versammelt Stimmen von Frauen, die in Kirche und Gesellschaft Verantwortung tragen. Es handelt von Vertrauen, Macht und Glaubwürdigkeit.

Schon auf dem Umschlag wird das Anliegen des Buches sichtbar: Im Wort «Leadership» tritt an die Stelle des letzten Buchstabens das Frauenzeichen. Herausgeberin Rita Famos, seit 2021 erste Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz, geht es nicht um persönliche Erfolgsgeschichten. Vielmehr bringt sie Stimmen aus unterschiedlichen Kirchen, Ländern und Berufsfeldern ins Gespräch, die über ihre Erfahrungen mit Führung nachdenken. 
So entsteht ein Buch, das weit über die Frage weiblicher Karrierewege hinausweist. Bemerkenswert ist, welche Themen die Autorinnen mit Führung verbinden. Im Zentrum stehen nicht Effizienz oder Managementtechniken, sondern Verantwortung, Macht, Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Führung wird immer wieder als Lernprozess beschrieben.

 

Führung beginnt mit Zuhören
Eindrücklich ist der Beitrag von Judith Pörksen Roder, Präsidentin der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn. Für sie besteht Führung nicht in erster Linie aus Entscheidungen, sondern aus Kommunikation und persönlicher Begegnung. Im Zusammenhang mit der Prävention von Machtmissbrauch verweist sie auf die Erfahrung, dass Betroffene oft mehrfach versuchen müssten, sich Gehör zu verschaffen, bevor ihnen wirklich zugehört werde.
Gute Führung beginne daher mit der Fähigkeit zuzuhören. Gleichzeitig plädiert Pörksen Roder für eine Kirche, die Gemeinschaft bewusst fördert. Einen wichtigen ökumenischen Akzent setzt Simone Curau-Aepli, ehemalige Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes. Als einzige römisch-katholische Stimme im Band erinnert sie daran, dass die Frage nach Frauen in Leitungsverantwortung in vielen Kirchen noch längst nicht entschieden ist.

 

Gute Führung beginne daher mit der Fähigkeit zuzuhören. 

 

Keine Patentrezepte
Beeindruckend ist weniger die Kritik an bestehenden Strukturen als die Beharrlichkeit der Autorin. Rita 
Famos beschreibt Curau-Aeplis Engagement in der Einleitung des Buches als beherzte «Trotzkraft», die dazu ermutigt, auch dort nicht aufzugeben, wo Veränderungen nur langsam vorankommen. 
Historische Tiefenschärfe erhält der Band durch Angela Berlis, Professorin für Kirchengeschichte an der Universität Bern und Priesterin der christkatholischen Kirche. Sie zeigt, wie eng Fragen von Amt, Autorität und Geschlecht miteinander verwoben sind, und macht deutlich, dass viele heutige Debatten eine lange Vorgeschichte haben. 
Das Buch bietet keine Patentrezepte für Führung, sondern lädt dazu ein, über Macht, Verantwortung und Glaubwürdigkeit neu nachzudenken.


Sarah Stutte, Erstpublikation «pfarrblatt» Bern

Rita Famos (Hg.): Leadership. Weibliche Perspektiven. Theologischer Verlag Zürich 2026. 284 Seiten.

Bild: Adobe Stock

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