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«Fliegen vermittelt ein starkes Gefühl von Freiheit»

Interview: Andreas Baumeister 22.07.2026

Ein Gespräch mit dem Piloten und Theologen Benjamin Meier

Benjamin Meier ist Pfarreiseelsorger in Walchwil im Pastoralraum Zug und seit neun Jahren Pilot. Im Gespräch mit Andreas Baumeister erzählt er von seinem ungewöhnlichen Hobby und was er beim Fliegen für seine Arbeit in der Pfarrei gelernt hat.

Benjamin, Fliegen ist ein ungewöhnliches Hobby. Wie kamst du dazu?
Der Flugplatz Langenthal in Bleienbach liegt in der Nähe, wo ich aufgewachsen bin. Als Jugendlicher habe ich einen grossen Teil meiner Freizeit dort verbracht. Ich habe Piloten geholfen, die Flugzeuge zu reinigen, damit ich hie und da zu einem «Gratis-Flug» kam. Die Faszination am Fliegen war immer da.

Und dann?
Irgendwann kam der Punkt, wo ich mir gesagt habe: «Jetzt oder nie». Das war 2017, als ich mit der Pilotenausbildung angefangen habe. Seitdem ist das Fliegen meine grosse Leidenschaft.

Was reizt dich am Fliegen?
Alles! Ich liebe es einfach, mich in der Luft zu bewegen und die Welt von oben zu betrachten. Es gibt eine gewisse Distanz zum Alltag. Und im Blick auf meinen stark ausgebuchten Berufsalltag bin ich froh, dass ich ein Hobby habe, das in erster Linie nichts mit Kirche und Theologie zu tun hat.

Wie oft hebst du ab?
Ich versuche, alle zwei bis drei Wochen zu fliegen. Das hängt aber auch stark vom kirchlichen Kalender ab.

Was sind so deine Flugstrecken?
Vom Bodensee zum Genfersee. Vom Jura bis nach St. Moritz. Von Schaffhausen nach Lugano. In eineinhalb Stunden durchfliegt man die Schweiz. Ich fliege ausschliesslich privat, darf aber Passagiere mitnehmen. Die Schweiz ist ein wunderbares Land mit einer unglaublich tollen Landschaft.

Beim Fliegen geht es um Können, Sorgfalt, Präsenz und Präzision. 
Diese Haltungen prägen zu einem gewissen Grad mein Leben, sowohl beruflich wie auch in der Freizeit. Ich denke, dass die Leute in meiner Pfarrei dies spüren.

Reinhard Mey singt: «Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos ein». 
Es gibt nichts Schöneres, als zwischen und über den Wolken zu fliegen. Reinhard Mey hat recht: in der dritten Dimension unterwegs zu sein, vermittelt ein starkes Gefühl von Freiheit.

Fühlst du dich als Theologe, der fliegt, dem Himmel besonders nahe?
Das könnte ich so nicht bejahen. «Himmel» ist auch auf dem Boden. Es ist eher so, dass ich beim Fliegen viel mehr bei mir selbst bin – auch gerade, wenn ich alleine unterwegs bin und ganz auf mich gestellt bin, da werde ich ganz ruhig.

Wo in deinem Leben tust du sonst noch abheben?
Ich «hebe ab», wenn ich merke, dass ein Projekt gelingt, wenn Menschen zufrieden sind und spüren dürfen, dass da vielleicht noch mehr ist, als was wir einfach so sehen. Das gibt mir Kraft, ermutigt mich und erfüllt mich.

Kannst du eine Geschichte vom Fliegen erzählen?
Ich werde immer wieder von Kollegen zum Mitfliegen eingeladen: in einem offenen Doppeldecker, zu einem Gletscherflug mit Skis am Flugzeug oder in einer Antonov An-2. Das sind einzigartige Erfahrungen.

Was hast du gelernt als Pilot?
Es ist grossartig, «etwas zum Fliegen zu bringen». Aber ich bin auch immer wieder froh, wenn ich wieder sicher auf dem Boden bin.
 

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