Dem Neuen eine Chance geben
Rebekka Dahinden 18.02.2026
Ganz gleich, ob im Ruhestand oder im Berufsalltag: Neues auszuprobieren endet nie. Theresa Wegmüller und Heidi Kaufmann-Wicki erzählen, warum sie sich immer wieder auf Neues einlassen.
«Mein Mann und ich sind Grosseltern von zwei Primarschulkindern. Grossmutter zu sein ist eine schöne Aufgabe, die ich – nicht erst seit meiner Pensionierung – sehr schätze. Wir Grosseltern haben die Freiheit, die Kinder zu verwöhnen und uns auf das einzulassen, was sie brauchen. Wenn meine Enkelin etwas nähen möchte, setzen wir uns gemeinsam an die Nähmaschine. Und möchte der Ältere ‹füürle›, gehen wir in den Garten und machen ein Feuer.
Wir nutzen die Zeit, um Neues auszuprobieren, für Dinge, für die im Alltag sonst zu wenig Raum bleibt.
Diese gemeinsame Zeit – von der wir zum Glück viel haben – ist ein grosses Geschenk. Wir nutzen sie auch, um Neues auszuprobieren, für Dinge, für die im Alltag sonst zu wenig Raum bleibt. Ein Theaterbesuch zum Beispiel. Ich stelle aber fest, dass wir nicht immer ein Programm brauchen. Wir schauen, was sich aus der Situation ergibt, leben in den Tag hinein und schauen, was es gerade braucht. Einfach sein und nichts tun, – das schätzen die Kinder. Auch als Grosseltern hat man manchmal den inneren Aktivismus, dass man ‹doch etwas unternehmen› müsste. Doch es nährt mich, zu sehen, wie die Kinder einfach für sich sein können, etwa beim Spielen im Garten oder Spielzimmer. Wenn die Kinder bei uns sind, beten wir gemeinsam am Abend – ein Ritual, das uns drei ganz besonders verbindet.
Was ich mit meinen Grosskindern noch unternehmen möchte? Eine Reise nach Korsika. Dort von der Fähre zu steigen, den wunderbaren Duft der Pflanzen einzuatmen und gemeinsam mit ihnen die schöne Natur erkunden – das wäre toll.»
Theresa Wegmüller
«Als Katechetin probiere ich im Unterricht gerne Neues aus – meist zuerst in einer Klasse, von der ich weiss, dass es gut funktionieren wird. Anschliessend passe ich die Inhalte individuell auf die anderen Klassen an. Neues auszuprobieren empfinde ich als spannend und bereichernd. Wenn man als Religionslehrperson offen bleibt, kann man vieles, das von den Schülerinnen und Schülern kommt, einfliessen lassen. Flexibilität ist dabei wichtig: Es bringt nichts, etwas durchzudrücken.
Ich achte darauf, was passt, was die Kinder anspricht und ihnen guttut – und gestehe mir auch ein, wenn etwas nicht funktioniert. Immer wieder staune ich darüber, was bei den Kindern hängen bleibt. Sie erinnern sich gut an Spiele, Geschichten und Übungen und fragen: ‹Machen wir das wieder einmal?› Das zeigt mir, wie prägend solche Erfahrungen sind.
In diesem Jahr darf ich nun die Ausbildung zur heilpädagogischen Religionslehrerin beginnen – etwas ganz Neues für mich. Als Quereinsteigerin habe ich bisher keine Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung. Dennoch sehe ich darin eine grosse Chance, denn ich bin offen und gehe auf jeden Menschen zu. Ich habe mir diesen Schritt gut überlegt und durfte bereits bei einer Klasse in Willisau schnuppern. Diese Erfahrung war sehr berührend. Besonders beeindruckt haben mich zwei Kinder, die nicht sprechen konnten und dennoch wunderbar miteinander spielten. Unglaublich!
Es ist für mich ein Abenteuer, das ich mit Respekt und Verantwortung angehe.
Im Januar geht es nun los. Ich freue mich auf berührende Momente, auf das Praktikum – bei dem ich hoffentlich schon viel Gelerntes anwenden darf –, und auf die Arbeit mit den Kindern. Es ist für mich ein Abenteuer, das ich mit Respekt und Verantwortung angehe. Ich freue mich, meinen Horizont erweitern zu dürfen und mit meiner Arbeit Menschen eine Stimme geben zu können, die oft übersehen werden.»
Heidi Kaufmann-Wicki
Beiträge aufgezeichnet von Rebekka Dahinden
Bild: CC0 Ian Schneider/unsplash.com
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