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Aufbrüche, wie wir sie erleben

Rebekka Dahinden 13.01.2026

Was heisst es für Sie, aufzubrechen? Das haben wir drei Mitglieder des Pastoralraums gefragt.

Sich auf den Weg machen, das heisst «Aufbrechen» für mich. Da ist es sehr bereichernd, wenn ich mit anderen wandere oder pilgere. Wir haben eine Vision, einigen uns auf ein gemeinsames Ziel, entscheiden darüber, welche Abzweigung wir nehmen und wie schnell und mit welchem Hilfsmittel wir vorwärtskommen wollen. Es kann aber sein, dass sich an einer Gabelung nicht alle für den gleichen Weg entscheiden oder manche viel schneller unterwegs sind. So kommt man immer wieder mit anderen Wanderern in Kontakt, ändert vielleicht auch das Etappenziel oder das Verkehrsmittel. Dies bedingt aber eine grosse Offenheit für die Art der Reise. Das Ziel ist hingegen eher klar – aber auch dann braucht es immer wieder einen neuen Aufbruch, vor allem, wenn man an einem Ort oder bei einer Tätigkeit schon länger verweilt hat. 

Andererseits bedeutet «Aufbrechen» auch, Neues zu entdecken. Welche Nuss kommt zum Vorschein, wenn ich sie aufbreche? Bin ich offen für eine Überraschung? Was mache ich daraus? Vielleicht muss ich meinen Blickwinkel öffnen, die Position ändern, um mehr zu sehen. Dadurch wird es möglich, dass ich Neues wage und kennenlerne. Denn auch Knospen brechen auf und bringen dann möglicherweise ungeahnte, neue Blüten hervor. Kurz zusammengefasst: Höre nie auf, anzufangen (Cicero) – oder aufzubrechen!

Regina Käppeli, Kirchenrätin Sursee

 

Als Präsidentin des Kirchenchors Nottwil trage ich immer den Wunsch in mir, aufzubrechen. Die Arme auszustrecken und alte Erwartungen sowie überholte Vorstellungen abzuschütteln. Wir wollen singen, was uns glücklich macht – in der Kirche, im Gemeindesaal oder draussen im Wald. Aufbrechen bedeutet, mit unserem Gesang viele Menschen zu erreichen und Freude zu teilen.

Aufbrechen heisst auch, sich neuen Gedanken, Standards und Ideen zu öffnen. Die Welt ist in Bewegung, alles verändert sich, nichts bleibt stehen. Darum brechen wir auch als Chor auf: zu neuen Modellen, neuen Klangvorstellungen, neuen Wegen des Miteinanders. So entstehen Raum und Mut für neue Gefühle, Erwartungen und Bedürfnisse. 

Unsere Welt ist im Aufbruch. Werte von gestern gelten heute nicht mehr gleich. Was früher gut war, kann heute alt wirken – und doch lässt sich aus Altem Neues formen. Aufbruch ist eine Reise in die Zukunft. Er bedeutet, alte Einstellungen loszulassen, Neues auszuprobieren und Veränderungen zuzulassen. Aufbrechen heisst, mutig neu zu starten. Junge Menschen  tun das ständig – und auch wir wollen uns diesen Schwung bewahren.

Isabel Estermann, Präsidentin Kirchenchor Nottwil

 

 

Wir brechen auch als Chor auf: zu neuen Modellen, neuen Klangvorstellungen, neuen Wegen des Miteinanders.

 

 

Aufbrechen. Ein kleines, gewöhnliches Wort. Wir alle haben es sicher schon oft verwendet, und uns wahrscheinlich nie wirklich Gedanken über seine Bedeutung gemacht. Besser gesagt: Über seine vielen Bedeutungen! Denn wenn man einmal beginnt, sich intensiv damit auseinanderzusetzen, überrascht einen seine Vielfältigkeit. Aufbrechen kann etwas Grobes sein, wie man eine Tür aufbricht oder eine Nuss, und somit etwas erst mal kaputt macht. Oder dann etwas philosophischer gesehen, kann es auch einen Neubeginn symbolisieren. Wenn man etwa zu neuen Ufern aufbricht, sei es mit einer Reise oder einem neuen Job, womit ein neuer Lebensabschnitt beginnt und man sich auf den Weg macht. 

Doch am Anfang meines Sinnierens kam für mich als Floristin zuerst eine ganz andere Bedeutung zum Vorschein. Ich dachte an das Aufbrechen von Samen und Knollen, wo etwas Neues und Zartes entsteht. Wie die Erde nach dem Winter aufbricht, um den ersten feinen Trieben Platz zu machen, wenn der Frost vorbei ist und der Frühling endlich beginnt. Wie es mich freut, wenn ich jeweils zusehen kann, wie neues Leben entsteht und man weiss, dass man bald wieder Sonne und Wärme spürt und die vielen Farben des Frühlings Fröhlichkeit und gute Laune versprühen. Und somit ist dies sicher meine Lieblingsinterpretation des kleinen, unscheinbaren, aber so gehaltvollen Wortes «Aufbrechen».

Barbara Müller, Blumenhaus am Untertor, Sursee

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